DFU-Projekt

DFU an der DSTY

 

In ihrem Leitbild definiert sich die Deutsche Schule Tokyo Yokohama als deutschsprachige internationale Schule sowie als Ort der Begegnung und des interkulturellen Austausches und Dialogs. Auch das Motto unserer Auslandsschule greift diesen Gedanken auf: Bildung, die verbindet. Schülerinnen und Schüler aus fast 20 Nationen besuchen momentan die DSTY, die Unterrichtssprache ist Deutsch.

Da es unser Ziel ist, für die unterschiedlichen Lern- und Sprachvoraussetzungen der Kinder bestmögliche Lösungen zu bieten, ist der Bereich DFU von größter Relevanz.

 

DFU – was bedeutet das?

 

Die Abkürzung steht für den Deutschsprachigen Fachunterricht; meist wird dieser Begriff im Zusammenhang mit dem Auslandsschulwesen gebraucht. Gemeint ist der Fachunterricht in deutscher Sprache, dabei setzt sich die Klasse aus Lernenden zusammen, die Deutsch nicht als erste Sprache sprechen.

 

Ziele von DFU für Lernende, Lehrende und die DSTY

 

Für die Schülerinnen und Schüler

  • passgenaue Unterstützungs- und Fördermaßnahmen

  • Verständnis für eigene Fehler und ihre Entstehung

  • positive Einstellung zur eigenen Mehrsprachigkeit und Steigerung der Sprachaufmerksamkeit

  • umfassende sprachliche Handlungsfähigkeit*

  • alles ausdrücken können, was man ausdrücken möchte

  • alles fragen können, was man fragen möchte

  • alles verstehen können, was man verstehen möchte

  • alles lesen können, was man lesen möchte

  • alles schreiben können, was man schreiben möchte

* Tajmel, Tanja, Hägi-Mead, Sara. Sprachbewusste Unterrichtsplanung. Prinzipien, Methoden und Beispiele für die Umsetzung. Münster 2017, S. 14-15

 

Für das Kollegium

  • Durchführung kollegialer Unterrichtshospitationen mit dem Schwerpunkt „Sprachsensibler Unterricht“

  • Vereinheitlichung bei der Einführung neuen Wortschatzes

  • Sensibilisierung für die Fehler von Kindern mit bilingualem oder mehrsprachigem Hintergrund

  • konkretes Instrumentarium zur sprachsensiblen Unterichtsvorbereitung und Durchführung:
    - DFU-Tipp des Monats
    - Liste mit Tipps zum sprachsensiblen Unterricht
    auf den Lehrerpulten der Sekundarstufe I und II

 

Für die Schule

  • Berücksichtigung einer veränderten Schülerschaft

  • Steigerung der Attraktivität der Schule, insbesondere für Kinder aus einem mehrsprachigen Umfeld

  • Erfüllung der BLI-Zielvereinbarungen

  • Erfüllung der Schulentwicklungsmatrix im Schulprogramm der DSTY

 

Die DSTY auf dem Weg zur sprachsensiblen Schule

 

Durch die geänderte Zusammensetzung der Schülerschaft seit 2011 und der zunehmenden Bedeutung von Mehrsprachigkeit wurde der Bedarf an Förder- und Unterstützungsmaßnahmen größer. Ein erster, zunächst noch vorsichtiger Versuch war die Initiierung des Schreibtrainings am Ende des Schuljahres 2012/13.

In den letzten fünf Schuljahren rückten Begriffe wie „Sprachförderung“, „Sprachaufmerksamkeit“ und „sprachsensibler Unterricht“ immer stärker in den Fokus unserer Schulentwicklung. Die Schulentwicklungsmatrix im Schulprogramm (Schulprogramm Seite 12/13) der DSTY trägt diesem Prozess Rechnung: Die „Aktive Mehrsprachigkeit“ ist neben Bausteinen wie der Weiterentwicklung des Methodencurriculums und der Binnendifferenzierung ein wesentliches Entwicklungsziel. Ein Überblick über die bestehenden Zusatzangebote im Bereich Deutsch zeigt zudem, was seitdem bewegt werden konnte.

Dem sprachlichen Entwicklungsschwerpunkt trägt auch das Fortbildungskonzept der DSTY Rechnung:

  • Im September 2013 wurde eine zweitägige schulinterne Lehrerfortbildung zum Thema „Deutschförderung im Fachunterricht“ durchgeführt.

  • Im Schuljahr 2015/16 widmete sich der Pädagogische Tag dem Thema „Sprachunterstützung“. Die Referentin vom Goethe-Institut Tokio thematisierte mit dem Kollegium insbesondere den Umgang mit Fehlern und gab wichtige Impulse für den sprachsensiblen Unterricht.

  • Von Oktober bis November 2016 fand in Kooperation mit dem Goethe-Institut Tokyo eine mehrteilige Fortbildungsreihe zur „DaF-Sensibilisierung für schulische Pädagogen/-innen“ statt, bei der insbesondere die Aspekte „Wortschatzerweiterung“, „Binnendifferenzierung“ und „Fehlerkorrektur“ behandelt wurden.

  • Im Juni 2017 konnte das Kollegium – ebenfalls in einer schulinternen Lehrerfortbildung die „Umsetzung ausgewählter DFU-/DaZ-Methoden in die Praxis“ kennenlernen.

 

Die DSTY als Brückenbauer zwischen Schule und Universität

 

Ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg der DSTY zur sprachsensiblen Schule war die Einrichtung einer DFU-Forschungsgruppe, die in der ersten Hälfte des Schuljahres 2015/16 gegründet wurde. An diesem Kooperationsprojekt wirken Lehrkräfte aus den Bereichen DaZ, Deutsch und verschiedenen Sachfächern (Kunst, Physik, Geschichte, Ethik) sowie DaF-Dozentinnen und Dozenten verschiedener Universitäten im Raum Tokyo mit.

 

Ziele der Zusammenarbeit zwischen Schule und Forschung

 

Ziel ist es, Schülertexte so genau wie möglich zu analysieren, zum Beispiel durch das Erstellen eines Codierbaums und durch die Arbeit mit dem computergestützten Analyseprogramm MAXQDA . Auf diese Weise können die spezifischen Sprachprobleme der Schülerinnen und Schüler an einer deutschen Auslandsschule festgestellt werden und – darauf aufbauend – passgenaue Förder- und Unterstützungsmaßnahmen erarbeitet werden.

 

Von dieser Kooperation zwischen Schule und Wissenschaft profitieren

  • die Lernenden, weil sie in der Entwicklung ihrer sprachlichen Kompetenzen gefördert werden,

  • die Lehrenden, die ihr Bewusstsein für die wichtige Funktion der Spracharbeit im Fachunterricht schärfen, und nicht zuletzt

  • die Schule, die zentrale Impulse für die Weiterentwicklung der unterrichtlichen Qualität erhält.

  • Außerdem wird das wissenschaftliche Gebiet „Deutsch als Zweitsprache“ mit Erkenntnissen über die besondere Situation an der DSTY bereichert.

 

Präsentation der Ergebnisse in der Öffentlichkeit

 

22. DaZ-Tagung der Japanischen Gesellschaft für Germanistik in Hayama

Erste Ergebnisse dieser Kooperation zwischen Schule und Wissenschaft wurden im Frühjahr 2017 einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert: Vom 17. bis zum 20. März fand in Hayama die 22. DaZ-Tagung der Japanischen Gesellschaft für Germanistik (JGG) statt.

Der Beitrag unserer DfU-Gruppe trug den Titel „Schreibkompetenz im Kontext von Mehrsprachigkeit“ und setzte sich aus vier Themenschwerpunkten zusammen:

  • Einleitend stellte Diana Beier die DSTY mit den wichtigsten Eckdaten sowie das DFU-Projekt und seine Ziele vor: Dazu zählen Fördermaßnahmen für die Schüler, Stärkung des Selbstbewusstseins mehrsprachiger Jugendlicher und ein Ratgeber für Unterrichtende.

  • In einem weiteren Baustein präsentierten Ruben Kuklinski und Nina Kanematsu, die Leiterin des Deutschen Seminars an der DSTY, die Ergebnisse der Datenanalyse, in zwei Präsentationen (Präsentation 1, Präsentation 2) die mit Hilfe des Softwareprogramms MAXQDA gewonnen wurden. So spricht beispielsweise im Durchschnitt jedes Kind der zur Analyse herangezogenen Unterstufenklasse 2,4 Sprachen. Auffällig ist dabei auch, dass Schüler und Schülerinnen mit einem mehrsprachigen Hintergrund deutlich längere Texte mit komplexeren Sätzen verfassen.

  • Abschließend ging Eva Koizumi-Reithofer auf die positiven Aspekte und die Stärken der untersuchten Lernerbiografien ein. So ist das deutliche Bemühen um das Erreichen eines formellen Registers erkennbar, im Bereich der Morphologie zeigt sich teilweise eine sichere Beherrschung der Konjunktivformen und der reflexiven Verben. Auch Satzgefüge mit mehreren Nebensätzen sind häufiger zu erkennen.

     

 

27. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung an der Universität Jena

Die Resultate unserer Kooperation wurden im Herbst 2017 dann erstmals einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland präsentiert. Zwei Mitglieder unserer Gruppe, Maria Rauhut und Eva Koizumi-Reiterhofer, stellten in Jena eine Posterpräsentation vor, die unser Forschungskonzept in schematischer Form zeigt.

Auch auf der Herbsttagung der Japanischen Gesellschaft für Germanistik (GJG), die vom 30. September bis zum 1. Oktober 2017 in Hiroshima stattfand, wurde diese Posterpräsentation gezeigt.

 

Wettbewerbsbeitrag

Im Januar 2018 wird die Beschreibung des DFU-Projekts beim IHK-Wettbewerb "Schüler bauen weltweit Brücken" eingereicht.